BÄK “Placebo in der Medizin” – Warum gibt es den Effekt?
Basierend auf einer aktuellen Veröffentlichung der Bundesärztekammer (BÄK) mit dem Titel “Placebo in der Medizin”, hat sich Bernd Harder Gedanken um das sein und Schein des Placebo´s Effektes Gedanken gemacht.
Im folgenden ein Auszug aus dem Vorwort der BÄK Publikation:
Kaum ein medizinischer Terminus wird so häufig, auch im übertragenen Sinne, verwendet wie „Placebo“. Suchmaschinen im Internet kommen, je nach Schreibweise, auf mehr als 6 Millionen Treffer. Fast jeder glaubt zu wissen, was man darunter versteht, ohne aber meist wirklich erklären zu können, was genau damit gemeint ist und – vor allem – wie Placebo funktioniert. Zudem denken die meisten Ärztinnen und Ärzte bei diesem Begriff gleich an Klinische Studien, nicht aber an ihre eigene therapeutische Tätigkeit (Stichwort „Droge Arzt“). In der breiten Öffentlichkeit wird der Begriff „Placebo“ häufig in gesundheitspolitischen Diskussionen verwandt, indem z. B. Heilverfahren mit nicht zweifelsfreiem Wirksamkeitsnachweis als „Placebo-Medizin“ oder als „Pseudo-Placebo“ gekennzeichnet werden. Und in übertragender Bedeutung findet man den Ausdruck „Placebo“ fast in allen anderen Lebens- und Politikbereichen.
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Neuere Studien belegen, dass Placebo nicht nur in der klinischen Forschung als Kontrollgruppe eine zentrale Rolle spielt, sondern dass Placebo (in unterschiedlichster Form) auch in der therapeutischen Praxis eingesetzt wird. Eine Umfrage an der Medizinischen Hochschule Hannover aus dem Jahre 2008 zeigt, dass nicht wenige Therapeuten – in diesem Fall Ärzte aus unterschiedlichen Abteilungen einer Klinik der Maximalversorgung – zumindest gelegentlich, teilweise auch häufig Placebos einsetzen. Schmerzen wurden am häufigsten als Grund für eine Placebogabe angeben, danach folgen: Schlaflosigkeit, depressive Verstimmung, Verdauungsstörungen. Eine neuere Schweizer Studie kommt zu dem Ergebnis, dass nur 28 % der befragten Schweizer Hausärzte niemals Placebo einsetzen. Diejenigen, die Placebo in ihrer Praxis anwenden, greifen größtenteils auf Pseudo-Placebos (57 %) zurück, eine Minderheit (17 %) verabreicht reine Placebos. Erstaunlich ist weiterhin, dass das therapeutische Verhalten von den meisten Schweizer Ärzten, die angaben, Placebo zu verwenden, in ethischer Hinsicht weitgehend als unproblematisch angesehen wurde, solange es sich in ihren Augen um ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Arzt und Patient handelt. Der Anteil derjenigen, die hier eine ethische oder rechtliche Grauzone sehen, schwankt immerhin zwischen 11 % und 38 %.
PDF: „Placebo in der Medizin“ bei der Bundesärztekammer (BÄK) (via bodyinmind)
Photo Credit: Akácio S. [ /photographyk ]
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Geblogged am 25 Jul 2010



