ZAPP: Köche und Werbung im Fernsehen: Ein lukratives Geschäft für Köche und Lebensmittelfirmen – aber unglaubwürdig

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Der TV-Köche Boom im deutschen Fernsehen gipfelte in den letzten Jahren auf seinem allerlebenshoch. Soviel bekannt. Das dürfte auch jeder mitbekommen haben, denn einerlei wo man zur Pre-Primetime hinzappte, es wurde gebrutzelt, frittiert, abgeschmeckt und gedünstet was das zeug nur hergab. Alles fing, soweit ich mich erinnern kann, mit einem britischen Starkoch namens Jamie Oliver vor in etwa zehn oder weniger Jahren an.

Aus den einfachsten Zutaten zauberte Jamie die schmackhaftesten Speisen. Wir Zuschauer erlebten seine Kochkünste hautnah mit – besser noch: Wir konnten, dank simpler und detaillierter Rezepturen, das ganze am heimischen Herd nach kochen, uns selber, oder geladene Freunde und Bekannte mit einem Gaumenschmaus der Extra Klasse beglücken. So nach dem Motto: “Sei Dein eigener Chef.”

Was folgte waren etliche heimische Köche, die sich dachten, “Hey das können wir doch auch. Kochen. Und das vor der Kamera. Damit lassen sich auch noch ein paar Euro verdienen.” So sollte es dann auch kommen. Eigentlich und seien wir mal ehrlich, ist daran auch noch nichts verwerfliches. Beinahe kein TV-Sender verzichtete mehr auf einen hauseigenen Fernsehkoch, der Quoten bringen sollte. Und evoila. Da stehen wir heute.

Mit Dutzenden TV-Kochshows und Fernsehköchen, die uns beibringen wie wir aus einigen wenigen Dingen, sündhaft leckeres Essen zaubern können. Insbesondere eines predigen uns die Hauptprotagonisten solcher Shows: “Frische Zutaten. Frische Zutaten. Frische Zutaten.” Sie sind das “A und O” in der Küche. Und damit haben Sie ja im Grunde auch recht.

Okay. Nach mittlerweile gefühlten sechshundertzweiundsechzigtausend Kochshows haben wir Normalos es dann schliesslich begriffen: “Frische Zutaten”. Wer nicht weiss, wie man frische Zutaten definiert, hier eine schnell-Übersetzung aus dem kochchinesischen: Rama aus der Flasche und Maggi Tütensuppe.

Sie predigen Frisches in ihren Shows, werben aber für Tütensuppen und andere Fertigprodukte. Ein lukratives Geschäft für Köche und Lebensmittelfirmen – aber unglaubwürdig

Eine NDR Reportage des Medienmagazine ZAPP dokumentiert, dass unsere Fernsehgourmets für das lukrative Geschäft mit der Werbung, auch gerne einmal von Ihren Predigten abstand nehmen. Warum, dass muss ich Euch ja nicht sagen, oder …


[Köche und Werbung im Fernsehen - ZAPP Medienmagazin]

Ab hier, darf man philosophieren und diskutieren. Warum werben TV-(und Sterne) Köche, die einerseits in Ihren Shows frische Waren preisen und predigen, für Tütenware? Warum lächeln Sie auf einmal für den “Feind” in die Kamera? Wieso sind Sie zum Überläufer geworden? War es das Antlitz des Geldes, das so verlockend war, für Fertigprodukte zu werben und vom Frischeweg abzukommen? Wurden Sie von Ihren Managern (falsch) beraten? Oder ist es einfach nur der “Fame”? Denn wer in der Werbung sein Gesicht zeigt, der kann von sich ja behaupten, “Hey – ich hab´s geschafft. Ich bin wer!” Und das kann nicht jeder.

Aber die allerwerteste Frage ist doch: Inwieweit wird die Glaubwürdigkeit der in der Reportage benannten (Star) Köche wirklich leiden? Werden diese durch einen Image-Verfall gestraft? Durch fallende TV Quoten? Durch hämische Zurufe? Oder zeigen wir Normalos von all dem Kochlöffel-Gehabe weiterhin imponiert, picken uns die leckeren Rezepturen heraus und akzeptieren solche Werbespots als notwendiges Übel?




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Geblogged am 29 Okt 2010

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