Ulrich M. Schmitz: “Was bringt Leute dazu, Verabredungen abzusagen, nur damit sie ihre Lieblings-TV-Serie gucken können?”
Die Südwest Presse hat ein Interview mit Ulrich M. Schmitz veröffentlicht, einem seit 20 Jahren praktizierenden Medienpsychologen, in dem dieser unter anderem die Faszination von Fernsehserien erläutert. Denn TV-Serien sind schlechter produziert als Filme, und die meisten Charaktere arbeiten in meist gänzlich anderen Metiers als die Zuschauer und sind zumeist auch nicht in der selben Altersklasse, wie wir Fans. Aus welchem Grunde also, schalten rund 3 Millionen Deutsche Dienstags den Fernseher und RTL an, um sich sich die Fälle von Horatio Kaine (CSI Miami) und Dr. Gregory House anzuschauen?
Viele Jugendliche lieben Serien, die nicht ihrer Altersgruppe entsprechen. Warum sind 16-Jährige beispielsweise von der Figur eines Dr. House fasziniert?
SCHMITZ: Weil diese Figuren kein erwachsenes Verhalten an den Tag legen, sondern wie Teenager auftreten, die sich nur als Erwachsene verkleidet haben. Dazu kommt, dass etwa Dr. House geradezu genial ist und allen Widersachern ein Schnippchen schlägt. Am Ende der Sieger sein – das ist das Ideal eines jeden Jugendlichen.
Viele Serien sind schlechter als TV-Filme produziert. Dennoch bleiben viele gerade an der Serie dran. Was bringt uns immer wieder zum Einschalten?
SCHMITZ: Zum einen liegt das an der festen Uhrzeit, zu der die Serien ausgestrahlt werden. Man weiß: Wenn meine Lieblingsserie läuft, liegt der anstrengende Tag hinter mir. Man kann dann aus seinem alltäglichen Theater aussteigen. Eine Serie ist etwas Vertrautes, man hat Bindungen zu den Figuren entwickelt und will wissen, wie es mit denen weitergeht. Wie stark man sich auf eine TV-Serie einlässt, hängt natürlich mit dem eigenen Sucht-Charakter zusammen.
Im kompletten Interview gibt Schmitz weitere Antworten auf Fragen wie “Macht zu viel TV-Gucken dumm?”, “Was macht eine gute TV-Serie aus?” oder “Was bringt uns dazu, die Lieblingsserie nicht mehr einzuschalten?”.
Tweet
Schlagwörter:
Geblogged am 25 Dez 2010



