Markt: Der Aldi-Check
(Update: Ich hab das Video auch hiermal eingepflanzt. Wer weiß wie lange jene Reportage in der ARD Mediathek online bleibt und glücklicherweise hatte ein Youtube User den kompletten ALDI-Check ins Netz geladen.)
WDR’s Markt Magazin hatte am vergangenen Montag eine wirklich spannende “Dokumentation/Reportage” über Aldi. Das ganze nennt sich passenderweise ALDI Check, ist bestimmt nicht der erste, doch ist mit Sicherheit für die eine oder andere Überraschung gut. Gewertet wurde nach mehreren Kategorien: Darunter der “Preis” (resultat: ALDI heißt nicht gleich billig, auch wenn ALDI für billig im Volksmund steht), die “Versuchung” irgendwelchen Krimskrams zu kaufen – und man höre und staune: Die Wühltische wirken (für mich) überraschend verlockender als Sie aus den ersten Blick ausschauen. Es gab auch noch ein paar andere Punkte die abgehandelt wurden, der spannendste war aber der Finale: Wie fair ist ALDI zu seinen Mitarbeitern? Na? Was meint Ihr, wieviel die für Ihre Knauserei dafür abdrücken, daß da ein paar Angestellte den Laden am laufen halten?
Der Teaser vom WDR (und wer den nicht lesen möchte, kann auch direkt 45 Minuten seiner Zeit für eine wirklich aufschlussreiche und interessante Reportage opfern. Auf zur Mediathek, wo es die komplette Doku noch online zu sehen gibt. !):
Georg Heitlinger ist Eierproduzent aus dem Kraichgau und einer von Aldis ehemaligen Lieferanten. Als er im Sommer 2000 für Aldi zu liefern begann, war es mit dem beschaulichen Hofleben vorbei: Heitlinger investierte in neue Maschinen und Personal. Denn ein Kunde wie Aldi braucht Masse – vor allem in der Eier-Hochsaison vor Weihnachten oder Ostern. Die Preise mit Aldi seien damals allerdings nicht in der Hochsaison ausgehandelt worden, sondern im Sommer, erinnert sich Heitlinger: „Da ist generell weniger los im Eierbereich. Da sind die Lieferanten dann immer zu mehr Zugeständnissen bereit. Und das richtige Eiergeschäft fängt dann immer erst im September/Oktober an, dann zieht auch der Preis wieder an. Aldi hat aber im Sommer schon verhandelt und dadurch haben die ziemlich günstige Einkaufskonditionen.“ Dennoch habe er im ersten Jahr mit Aldi ein gutes Geschäft gemacht, sagt er. Dann habe Aldi immer weniger gezahlt und plötzlich sah Georg Heitlinger die Existenz seines Hofes in Gefahr. Er zog die Notbremse und stieg aus dem Geschäft mit dem Discounter aus.
Was Aldi zahlt, gilt oft als Messlatte. Als 2008 viel Milch auf dem Markt war, senkte Aldi den Preis. Auch deshalb kippten die Bauern ihre Milch vor den Aldi-Läden aus. Sie ahnten: Senkt Aldi die Preise, zieht die Konkurrenz bald nach.
Irgendwer zahlt immer den Preis. Das sollte eine Aktion der Christlichen Initiative Romero im vergangenen Herbst deutlich machen: Sie verteilte ein dem Aldi-Prospekt „Aldi informiert …“ nachempfundenes Flugblatt. Wer genau hinsah, las bei den Jeans zu 9,99 Euro aus der Türkei: „Auf Kosten der Arbeiterinnen billig produziert“, und die T-Shirts für Kinder auf Seite vier wurden demnach für „33 Euro Monatslohn bei 80 Stunden pro Woche“ gefertigt. Die Initiative verteilte von diesem nachgemachten Prospekt 30.000 Stück – ungestraft. Sie wollte auf die Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern im Ausland aufmerksam machen.
In Billiglohnländern wie China produzieren Wanderarbeiter – häufig Frauen – Kleidung bis zum Umfallen. Sie machen nach Recherchen des Siegburger Südwind-Instituts bis zu 130 Überstunden im Monat und können trotzdem kaum von ihrer Arbeit leben. Mehrfach prangerte Südwind die Arbeitsbedingungen in solchen Fabriken und mit ihnen die Abnehmer der Waren an, darunter auch Aldi-Süd. Das Unternehmen räumte im vergangenen Jahr in einer schriftlichen Stellungnahme „Missstände (…) in zahlreichen Fertigungsstätten“ ein, stellte aber fest, dass „[wir] nicht für die vollumfängliche Einhaltung“ der „nach unserer Auffassung einzuhaltenden Regeln und Werte (…) entlang der Lieferkette verantwortlich gemacht werden können.“ Um volle Verantwortung für sie zu übernehmen, sind chinesische Arbeiter angeblich zu weit weg. Doch andere Arbeitnehmer sind es nicht: die in den eigenen Filialen.
Photo Credit: brandon king by CC
Tweet
Schlagwörter:
Geblogged am 26 Aug 2011



